Interview mit Frank S. Jorga und Sven Jorga – Geschäftsführer der WebID Solutions GmbH

Bereits 1986 haben Sie Ihr erstes gemeinsames Unternehmen gegründet, und auch heute arbeiten Sie zusammen bei der von Ihnen gegründeten WebID Solutions GmbH.

Die aus Lübeck stammenden Gründer der WebID Solutions GmbH: CTO Sven Jorga (l.) und CEO Frank S. Jorga (r.), Pressefoto
Die aus Lübeck stammenden Gründer der WebID Solutions GmbH: CTO Sven Jorga (l.) und CEO Frank S. Jorga (r.), Pressefoto

War es schon immer Ihre Vision, als Brüder-Duo ein Tech-Unternehmen zu leiten? Wie kam es dazu?

Sven Jorga: Damals haben wir Programmier- und Grafikleistungen mit Visualisierungen entwickelt, das waren Vorläufer der Computeranimationen in heutigen Filmen. Wir waren zu der Zeit absolut begeistert von Computern und ihrer Technologie, und als Frank 17, ich 16 Jahre alt war, haben wir aus unserem Hobby ein Angebot für maßgeschneiderte IT-Leistungen entwickelt. Wir hatten damals also schon eine technologische Ausrichtung, aber wer glaubt, von da an war es ein direkter Weg zum 20-Mio.-Unternehmen WebID – das war unser Umsatz letztes Jahr –, der irrt sich. 

Frank Jorga: Nach unserem ersten gemeinsamen Unternehmen gingen wir erstmal unsere eigenen Wege. Sven studierte Informatik in Kiel und ich ging in die Bankenwelt nach Frankfurt. Im Laufe der Jahre habe ich dann auch verschiedene Unternehmen gegründet. Als mir die Idee zu WebID kam, mit dieser technologischen Ausrichtung, wandte ich mich zuerst an Sven. Der war jedoch als Leiter großer IT-Projekte gebunden. Aber immerhin war er von der Idee überzeugt (lacht) – viele andere haben ja abgewunken, als ich erzählte, dass ich mit dem Bundesfinanzministerium in behördlicher Abstimmung stehe. Schlussendlich fand ich zwei weitere Mitgründer und auch Sven konnte dazukommen.

Häufig wird gesagt "Vermische niemals Geschäftliches und Privates". Sie sind bereits seit Jahren als Brüder bei der WebID erfolgreich, und das in Führungspositionen. Vor welche Herausforderungen stellt einen so eine enge Bindung? Und welche Chancen ergeben sich dadurch?

Frank Jorga: Zunächst muss man wissen, dass wir beide natürlich nicht nur zu zweit arbeiten. Wir haben eine gute Managementebene aufgebaut, Nachwuchstalente gefördert und qualifizierte Fachleute für WebID gewonnen – ohne diese wichtigen Säulen würde das Unternehmen nicht laufen. Ich würde jedoch zustimmen, dass eine enge Bindung auch schwierig sein kann.

Sven Jorga: Bei uns hat jeder sein Spezialgebiet. Frank steht für Produktideen, den Sales und die Unternehmensstrategie, ich für die IT-Technologie und -Strategie. Wir ergänzen uns gut und sprechen auf Expertenebene selbstbewusst miteinander. Von unserem langjährigen Vertrauensverhältnis profitieren wir beispielsweise, wenn wir uns synchronisieren und abstimmen wollen: Weil wir die Denkweise des jeweils anderen gut kennen, können wir so schnell miteinander kommunizieren, dass es für Außenstehende teilweise kaum nachvollziehbar ist.

Sie sind beide in Lübeck geboren und aufgewachsen, zwei der Standorte der WebID liegen in Kiel und Hamburg, ganz in der Nähe. Welche Faktoren waren ausschlaggebend für die Standortwahl und wie stark sind Sie noch mit Lübeck verbunden?

Frank Jorga: Bereits zu Gründungszeiten war es unter uns Gründern ein Thema, unseren jeweiligen Heimatstädten etwas zurückzugeben. Daher waren unsere ersten Standorte in Deutschland Berlin, Kiel, Hamburg und Solingen. Obwohl ich einige Jahre in Frankfurt und sogar Los Angeles gelebt habe, hat es mich schlussendlich wieder in den Norden zurückgezogen.

Sven Jorga: Frank ist Wahl-Hamburger, ich lebe in der Kieler Umgebung – wir sind unserer nordischen Herkunft treu geblieben. Zu unserer Heimatstadt Lübeck haben wir eine emotionale Verbindung: Es ist die Stadt unserer Kindheit und hier hat unser Vater und Vorbild aus dem Nichts, damals nach dem Krieg, ein Unternehmen aufgebaut.

WebID schafft Arbeitsplätze in einer zukunftsträchtigen Branche, und hat vor allem in Norddeutschland ein gutes Ansehen als Arbeitgeber. Hat sich durch die aktuelle Pandemie bezüglich der Rekrutierung etwas geändert? Welche Rolle spielt der regionale Fokus beim mittlerweile als international Player anzusehenden Unternehmen WebID?

Frank Jorga: Ein deutlicher Unterschied zu früheren Auswahlverfahren ist, dass die Bewerbungsgespräche nun komplett über Video-Calls stattfinden. Der persönliche Kontakt war uns immer wichtig und bis vor Kurzem haben wir noch versucht, zumindest das zweite Gespräch mit einem persönlichen Kennenlernen zu verbinden. Aus Schutzgründen haben wir mittlerweile aber alles ins Homeoffice verlagert, was ging. Bei den Tätigkeiten der Videoagenten ist das aufgrund von Sicherheitsvorschriften nur eingeschränkt möglich, weshalb wir rund 150.000 Euro zum Schutz unserer Mitarbeitenden in das Video-Service-Center investiert haben.

Sven Jorga: Der Fokus von WebID hängt mit den regional angesiedelten Fachbereichen zusammen: Kiel steht für Entwicklung und Technik, Hamburg für das Key-Account-Management, Sales, Legal und Marketing. In Solingen befindet sich unser Video-Service-Center, außerdem HR sowie Finance & Accounting. Das gute Ansehen in Norddeutschland freut uns natürlich, da uns der Norden, wie gesagt, wichtig ist, und weil wir es schätzen, dort so gutes Personal zu bekommen. Vor allem in Kiel wollen wir noch mehr Menschen beschäftigen - wir haben reichlich Aufgaben für IT-Projektmanager sowie Softwareentwickler aus allen Bereichen, inklusive App-Entwicklung und KI-Programmierung.

Derzeit verfügt WebID über fünf Standorte in Deutschland, ist aber auch international in Österreich, Indien, der Schweiz und den USA vertreten. Wie erfolgt die Kommunikation zwischen den nicht-deutschsprachigen Standorten in Indien und den vereinigten Staaten? Sind weitere Niederlassungen in Deutschland oder weltweit geplant?

Frank Jorga: Wir haben unsere Kommunikation mit Indien und den USA schon in den letzten Jahren so geführt, wie es jetzt in der Corona-Pandemie der Quasi-Standard geworden ist: mit Video-Calls. Die Gespräche finden dann auf Englisch statt. Zur Ausweitung unserer Markführerschaft sind auch weitere Niederlassungen geplant, allerdings werden wir Schritt für Schritt vorgehen. Wir folgen dabei unseren Patenten: Wir besitzen ein EU-Patent, so stehen zunächst wesentliche europäische Standorte auf der Liste. Außerdem wollen wir die USA-Aktivitäten weiter ausbauen und dann gibt es auch noch ein Patent für China.

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