Plötzlich ohne Job: Diese Rechte sollten Beschäftigte kennen

Eine Kündigung gehört ohne Zweifel zu jenen Situationen des Berufslebens, auf die man gerne verzichten könnte. Zugleich zeigt sich, dass viele Beschäftigte wenig bis gar nicht auf den Ernstfall vorbereitet sind. Die plötzliche finanzielle Unsicherheit sowie offene Zukunftsfragen treten plötzlich in den Vordergrund. Doch gerade die ersten Tage sind wichtig, um sich mit der Kündigung auseinanderzusetzen. Denn wer die grundlegenden Regeln und Gesetze kennt, kann strukturiert agieren und fristgerecht handeln.

Hände von zwei Personen mit Stift und Papier
Beratung bei einer Kündigung, © pixabay.com / aymane jdidi

Ein Blick auf die unterschiedlichen Kündigungsarten

Prinzipiell lassen sich Kündigungen in zwei unterschiedliche Kategorien unterteilen:

  • Bei ordentlichen Kündigungen handelt es sich um Entlassungen, die unter Einhaltung gesetzlicher, tariflicher sowie vertraglicher Fristen erfolgen. Jene Fristen sind primär davon abhängig, wie lange eine Person bei einem Unternehmen beschäftigt war.
  • Fristlose Kündigungen führen hingegen zu einer sofortigen Beendigung des Arbeitsverhältnisses. Damit eine solche Kündigung überhaupt möglich ist, müssen sogenannte wichtige Gründe wie Pflichtverletzungen oder Vertrauensbrüche vorliegen. Zudem ist eine fristlose Kündigung oftmals nur nach vorherigen Abmahnungen möglich.

Darüber hinaus unterscheiden Gerichte und Arbeitgeber häufig zwischen betriebsbedingten, personenbedingten und verhaltensbedingten Kündigungen. Betriebsbedingte Kündigungen entstehen etwa durch Umstrukturierungen oder wirtschaftliche Schwierigkeiten. Welche Regeln konkret zur Anwendung kommen, ist dabei nicht nur vom Gesetz abhängig. Auch individuelle Arbeitsverträge, Tarifverträge oder Betriebsvereinbarungen können entscheidend sein.

Kündigungsschutz und wichtige Fristen

Unter bestimmten Voraussetzungen greift in Deutschland das Kündigungsschutzgesetz. Dieses sorgt dafür, dass längst nicht jede Kündigung auch tatsächlich wirksam ist. Der Grund hierfür liegt in dem Umstand, dass der Kündigungsschutz meist besteht, sofern jemand mehr als sechs Monate in einem Unternehmen mit mehr als zehn Beschäftigten angestellt ist.

Zum Kündigungsschutzgesetz zählt unter anderem auch die Drei-Wochen-Frist. Sofern Angestellte sich auf juristischer Basis gegen ihre Kündigung zur Wehr setzen möchten, muss dies binnen drei Wochen nach Zugang der schriftlichen Kündigungen beim Arbeitsgericht erfolgen. Wird diese Frist versäumt, gilt die Kündigung häufig als wirksam.

Welche Optionen Beschäftigte im Fall der Fälle haben und welche Aspekte besonders relevant sind, erläutert unter anderem der Ratgeber von AdmiralDirekt mit einer Übersicht hinsichtlich Kündigungsarten, Fristen sowie rechtlichen Möglichkeiten.

Ferner zeigt sich in der Praxis, dass viele Arbeitnehmer im Fall einer Kündigung unsicher reagieren und durch Zeitdruck Fehler entstehen. Umso wichtiger ist es, keine Zeit verstreichen zu lassen und sich bei Bedarf rechtliche Hilfe zu suchen.

Darauf kommt es nach Erhalt der Kündigung an

Sobald ein Arbeitnehmer eine Kündigung erhält, ist ein klarer Kopf ratsam. Es ist essenziell, die Unterlagen vollständig zu prüfen und relevante Dokumente zusammenzutragen. Hierzu gehören insbesondere Arbeitsvertrag, Zusatzvereinbarungen, Abmahnungen, Gehaltsabrechnungen und möglicher Schriftverkehr mit dem Arbeitgeber. Gleiches gilt für den Kündigungszugang, da Fristen ab dem Zeitpunkt laufen, an dem die Kündigung zugestellt wurde.

Und selbst wenn die Kündigung nicht anfechtbar ist, sollten Beschäftigte offene Ansprüche wie etwa Resturlaub oder Überstundenvergütung prüfen und zusätzlich ein qualifiziertes Arbeitszeugnis einfordern.

Warum Vorbereitung im Arbeitsalltag oft unterschätzt wird

Arbeitsrechtliche Themen geraten im Alltag vieler Beschäftigter erst dann in den Mittelpunkt, wenn sie sich konkret damit auseinandersetzen müssen. Dabei zeigt sich gerade im Kündigungsfall, dass ein grundlegendes Verständnis der Rechtslage wichtig sein kann. Durch entsprechende Kenntnisse und die Aufbewahrung wichtiger Unterlagen ist meist schon der erste Schritt getan, um folgenschwere Versäumnisse im Kündigungsfall zu verhindern. Dies ist besonders wichtig in Situationen, in denen trotz emotionaler Belastung rasche Entscheidungen getroffen werden müssen.

Orientierung statt vorschneller Entscheidungen

Oftmals gilt, dass Kündigungen sich selten pauschal beurteilen lassen. Vielmehr ist deren Rechtmäßigkeit mehrheitlich vom Einzelfall und unter Berücksichtigung von Faktoren wie der Betriebsgröße, dem Kündigungsgrund sowie möglichen Schutzrechten abhängig. Zwar sind die gesetzlichen Rahmenbedingungen eine gute Orientierung, ersetzen dabei jedoch keinesfalls eine individuelle Prüfung. Gerade deshalb kann es sinnvoll sein, rechtzeitig Informationen einzuholen und mögliche Optionen sorgfältig abzuwägen.